Onlinesupervision? Stecken Sie Ihren Supervisor in die Tasche

onlinesupervision

Während meiner Facharzt-Ausbildung wusste ich eine Hilfe besonders zu schätzen.

Sie hieß „der kleine Berson“ und war „mein Oberarzt-in-der-Kitteltasche“. In Nacht- und Notdiensten konnte ich seine Lose-Blatt-Sammlung immer dann aus der Tasche ziehen, wenn ich einen kurzen Rat brauchte. Es war das gesammelte Praxiswissen meines neurologischen Oberarztes, der mir damit gerade in der Anfangszeit, aber auch in späteren Jahren, als ich längst nicht mehr in der Klinik war, eine sichere Quelle konkreter Antworten auf meine unzähligen Fragen bot.

Was ich daran besonders schätzte, war die begleitende Aufforderung von Dr. Berson, dass ich ihn anrufen solle, wenn ich mit etwas nicht weiter käme. Ich habe von diesem Angebot gerne, wenn auch selten Gebrauch gemacht, weil ich ja auch diese kleine Kitteltaschenversion von ihm dabei hatte.

Heute haben die Suchmaschine im Smartphone oder ein Kitteltaschenbuch im Tablet-Format in mancher Hinsicht die alten Kittel-Notizbücher ersetzt. Vielleicht auch deswegen, weil damit das Gefühl verbunden ist, jederzeit über alle wichtigen Informationsquellen der Welt zu verfügen, wenn man einmal Hilfe und Antworten auf seine Fragen benötigt.

Auf welche unschätzbaren Vorteile meines „kleinen Berson“ jedoch die meisten heutigen Google-Benutzer verzichten müssen, dazu komme ich gleich weiter unten.

Medial vermittelte Beratung – ist das denn notwendig?

An internetgestützter Beratung oder gar Therapie scheiden sich die Geister. Für Online-Supervision gilt das Gleiche: es gibt vor allem Kritiker*innen, eine große Unsicherheit hinsichtlich der Chancen und Risiken, die Angst vor Datenmissbrauch und ein noch großes Unwissen über die Möglichkeiten technischer Unterstützung.

Entgegen der in den Medien gelegentlich konstatierten Digitalisierung der Beratungswelt lässt sich eine breitere Entwicklung von Online-Beratung und Supervision nicht feststellen. Das zeigte auch eine an der Technischen Hochschule Nürnberg in 2015/16 vorgestellte Studie zu diesem Thema.

Während in der Humanmedizin eine breit angelegte Diskussion über die Digitalisierung der Medizinwelt stattfindet, und telemedizinische Angebote wie ein Beratungs-Chat von Krankenversicherern oder die Live-Schaltung in einen Operationssaal jenseits des Atlantiks zu Fortbildungszwecken wie Pilze aus dem Boden schießen, bevorzugt die breite und ganz überwiegende Mehrheit von Supervisor*innen, aber auch Supervisand*innen den Face-to-Face-Kontakt. Und das aus gutem Grund.

Die Vorteile, die die Kopräsenz in der klassischen Gesprächssituation im Einzel- oder Gruppengespräch bietet, kann kein noch so ausgefeiltes technisches Hilfsmittel ersetzen.

Warum dann ein Onlinesupervisor?

In den vielen Jahren meiner Tätigkeit als Supervisor in unterschiedlichen Arbeitsfeldern habe ich die große Zahl an direkten Kontakten mit Fachkolleg*innen unterschiedlicher Professionen sehr geschätzt, und möchte sie nicht missen.

Es geht mir also nicht um einen Ersatz.

Ich supervidiere sowohl Teams aus psychosozialen Organisationen wie Kliniken, Suchthilfe- und Psychisch-Kranken-Hilfe, als auch niedergelassene ärztliche und psychologische Psychotherapeut*innen unterschiedlicher Therapierichtungen. Als Inhaber einer Lehrpraxis, Lehrtherapeut und Supervisor bilde ich auch angehende ärztliche und psychologische Psychotherapeut*innen aus.

Aus dieser Arbeit entstand im Laufe der Jahre ein breiter Erfahrungsschatz. Vor einiger Zeit kam mir der Gedanke, dass ich auch so einen „kleinen Berson“ für meine Supervisand*innen schreiben könnte, wie ich ihn während meiner Zeit als Arzt in der Klinik in die Tasche stecken durfte.

Als Internet-versierter Mensch weiß ich bei solchen Projekten mittlerweile die digitale Unterstützung zu schätzen, und mit ihren Vor- und Nachteilen gegenüber anderen „Medien“ (bis hin zum un-„mediierten“ persönlichen Kontakt) abzuwägen.

Ich möchte hier nicht der Online-Supervision die Lanze brechen, sondern einfach mit den heutigen technischen Möglichkeiten ein Informations- und Beratungsangebot anbieten, das für Sie und mich einen eindeutigen Nutzen ergeben kann.

Wie kann ich mir diese Form der Beratung vorstellen?

Das, was ich vorbereitet habe, ist dabei in jeder Hinsicht zunächst einmal „einfach & klein“. Der Anspruch beinhaltet nicht, Ersatz zu sein, sondern Ergänzung. Davon sprach ich eben. Und dabei kommt es mir darauf an, herauszufinden, in welcher Weise die reine Informationsvermittlung um eine persönliche Form des Austauschs ergänzt werden kann.

Technisch betrachtet kann das zum Beispiel die Möglichkeit sein, einen Beitrag, den ich zu einer bestimmten Frage schreibe, als Leser zu bewerten: Hilfreich? Oder nicht hilfreich?

Anhand dieser Rückmeldungen kann ich „auf der anderen Seite des Internets“ einen ganz einfachen Rückschluss ziehen, ob dieser Beitrag auf Interesse stößt.

Eine Stufe konkreter wird die Rückmeldung dann, wenn jemand auf einen solchen Beitrag mit einem Kommentar unterhalb des Textes antwortet, und damit seine eigenen Gedanken beisteuert.

Was aber, wenn Sie als Nutzer*in eine eigene Frage haben, diese jedoch in den bestehenden Beiträgen noch nicht beantwortet finden?

Dann haben Sie die Möglichkeit, diese Frage in den jeweiligen Themenbereichen zu stellen. Das geht mit Hilfe eines Eingabeformulars, in das Sie Ihre Frage eintippen, mit Ihrer Email-Adresse ergänzen und an mich absenden. Dazu müssen Sie nicht erst in Ihr Email-Programm wechseln, sondern können das direkt innerhalb der Internet-Seite tun.

Ich lese Ihre Frage und beantworte sie – entweder direkt per Email an die von Ihnen angegebene Adresse, oder/und in Form eines neuen Beitrags im Nachfragewerk.

Darüber hinaus möchte ich Ihnen jedoch auch – wie damals mein Oberarzt – anbieten, mich persönlich anzurufen, oder mit mir per Email ein Gespräch zu vereinbaren, falls Sie mir den technischen Möglichkeiten, die Ihnen meine Seite bietet, kein befriedigendes Ergebnis erhalten – sprich: keine Antwort auf Ihre Frage finden.

Vielleicht suchen Sie auch nach Resonanz auf Ihr persönliches Anliegen, das womöglich noch keine konkrete Frage hat entstehen lassen, sondern zunächst einfach nur den Gedanke aufkommen ließ, dass „da etwas nicht stimmt“?

Mit den Supervisand*innen in meiner Praxis kann ich dazu die nächste Supervisionssitzung nutzen. Mit den Nutzer*innen meines Onlinesupervisor-Angebots vereinbare ich dann ein Telefonat, oder eine erste, womöglich auch einmalige Supervisionssitzung „face-to-face“, je nachdem, was uns besser und machbar erscheint.

Noch Fragen? Anregungen?

Womöglich wirft dieses Projekt erst einmal Fragen auf, oder es weckt Assoziationen, Zweifel, Bedenken, Wünsche? Ich würde mich freuen und wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir dazu etwas schreiben oder mich ansprechen würden – per Email, hier in Form eines Kommentars, per Telefon, im persönlichen Gespräch.

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Responses

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  1. Hallo Sönke,

    ich finde es klasse jetzt einen online Supervisor zu haben.
    Wie sieht es denn praktisch aus? Ich bin ja noch in der Ausbildung und habe natürlich meine Supervisoren. Trotzdem sind die ja nicht immer zu erreichen. Supervidierst du nur ganze Fälle oder könnte ich mich auch an dich wenden, wenn ich spezielle Fragen zu einem Fall habe und oder mein Supervisor zum Beispiel im Urlaub ist?
    Und wie sieht es mit dem finanziellen aus? Ich habe deine Seiten gerade nur quer gelesen aber nichts dazu gefunden?!

    Ganz liebe Grüße von Anja

    1. Liebe Anja,
      mein Online-Angebot bietet primär Antworten auf Fragen, die sich „im Praxis-Alltag“ stellen und notwendigerweise etwas allgemeiner formuliert werden müssen. Es ist also weniger ein auf einzelne Behandlungen ausgerichtetes Supervisionsangebot, so wie Du es von den Ausbildungs-Supervisionen her kennst. Das ist aber nicht immer vorab so sicher zu unterscheiden. Wenn Du also zwischendurch eine Frage hast, spricht nichts dagegen, wenn Du Sie einfach stellst, und wir schauen dann, ob sie sich in diesem Kontext beantworten lässt? In der jetzigen Form ist und bleibt mein Angebot kostenlos. Später möchte ich auch Online-Seminare, gemischte Online-Offline-Workshops u.ä. ergänzen, die dann – wie meine Supervisionsstunden in der Praxis auch – nicht mehr kostenlos sein werden (und können).
      Aber vielen Dank für Deine Frage nach Infos dazu. Ich werde das noch ergänzen, sobald es soweit ist.
      Herzliche Grüße, Sönke

  2. Lieber Sönke,

    es ist wunderbar, dass Sie so einen online-Supervisor anbieten. Ich lese darin mit Interesse „herum“ und finde meine eigenen Fragen wieder. Ich bin Ausbildungskandidatin der Psychoanalys. Obwohl ich an meinem Institut gut belehrt und unterstützt werde, gibt es oft scheinbar „simple Fragen“, die ich allein in meinem Kämmerchen zu klären versuche.

    Aber ich frage mich auch: wie wird denn so ein Service bezahlt? Sie werden doch nicht all diese viele und gute Arbeit als Hobby leisten?
    Herzlichen Gruß
    Erika

    1. Liebe Frau El Sayed, ganz herzlichen Dank für Ihre freundlichen Worte. Es freut mich, dass meine Beiträge interessant und hilfreich für Sie sind. Falls Sie weiterhin „simple Fragen“ beschäftigen, und Sie denken, dass ich Ihnen vielleicht behilflich sein kann, melden Sie sich gerne zu Wort. Dazu gibt es ja auch im „Nachfragewerk“ eine entsprechende „Support“-Funktion 😉
      Zu Ihrer Frage nach der Bezahlung: ich habe die Seite 2016 in der Tat mit dem Ziel begonnen, auch kostenpflichtige Inhalte anzubieten, um die Kosten zu decken. Leider musste ich jedoch die aktive Pflege und intensivere Beschäftigung mit dieser Seite Anfang 2017 einstellen, da ich nicht mehr die dazu nötige Zeit hatte. Ein paar Zeilen dazu habe ich auf der Facebook-Seite des Onlinesupervisors geschrieben.
      Erst jetzt – zwei Jahre später – komme ich so langsam wieder dazu, mir Gedanken über eine erneute Intensivierung zu machen, und denke über neue Beiträge nach, mache Pläne für (Online-)Seminare und Gruppensupervisionen etc. Möchten Sie, dass ich Sie darüber informiere, wenn es etwas Neues gibt? Dann kann ich Sie gerne in meinen Email-Verteiler aufnehmen.
      Mit herzlichen Grüßen
      Sönke Behnsen